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Wieviel Flexibilität braucht die Arbeit 4.0?

REFA-Fach- und Branchenorganisationen


Uwe Grebe, Vorsitzender REFA-Branchenorganisation Nahrung du Genuss; Daniel Grundke, Geschäftsführer Friesland Campina; Wolfgang Schmolke, Schmolke und Partner; Axel Kaufmann, Bundesinstitut für Berufsbildung; Dr. Ralf Wimmer, Geschäftsführer Arbeitgeberv

Die Fachtagung 1/2018 der REFA-Branchenorganisation Nahrung und Genuss fand am 22./23. Februar 2018 bei der Friesland Campina Kievit GmbH in Lippstadt statt. Das Werk ist Spezialist für die Sprühtrocknung, arbeitet weltweit als innovativer und entwicklungsstarker Zulieferer für die Lebensmittelindustrie. 273 Beschäftigte erbringen eine jährliche Produktionsleistung von 77.000 Tonnen. Die Tagungsteilnehmer beeindruckte beim Betriebsrundgang eine perfekte Betriebsorganisation, die Prozessvisualisierung und ein beachtenswertes Engagement im Bereich Sicherheit.

Im Rahmen der Fachtagung präsentierte Geschäftsführer Daniel Grundke neben dem vielschichtigen Produktportfolio auch die Sprühtrocknungstürme, die Agglomerationslinien und die verschiedenen Mischaggregate vor. Die Prozess- und Reinigungsanforderungen sowie das Anfahren der komplexen Anlagen stellten die besonderen technologischen Organisationsanforderungen des Werkes dar.

Teambildung

Wolfgang Schmolke, Gründer und Inhaber von Schmolke & Partner - Human Resources Management, zeigte anschaulich in einem Praxisworkshop unter der Überschrift „Wir machen Teams“, wie wichtig die Teambildung in der Arbeitswelt ist.

Die Unterschiedlichkeit von individuellen Teamrollen könne in einem strukturierten Analyseblatt ermittelt werden. Aus den einzelnen Teamrollen ergebe sich durch eine praxisorientierte Visualisierung ein Gesamtbild, aus dem zielführende Erkenntnisse gesichtet und bewertet werden können. Die individuelle Orientierung auf Denk- und Problemlösung, Handlung und Tätigkeit sowie Kommunikation und Mensch bringe acht Teamtypen mit unterschiedlichen Schwerpunkten hervor. In einem effektiven und erfolgreichen Team sollten die verschiedenen Rollen ausgewogen vorkommen.

Sollte dies einmal nicht der Fall sein oder die Abwesenheit einer speziellen, vielleicht wichtigen Rolle festgestellt werden, gebe es unterschiedliche Ansätze, wie die fehlende Kompetenz „aufgefangen“ werden kann. Zudem könnten zu viele gleiche „Rollen“ in einem Team, wie z.B. Antreiber, Koordinatoren oder Entwickler, zu vorhersehbaren Störungen führen. Auch hier gelte es, gezielt die optimale Rollenverteilung herbeizuführen. „Wichtig ist, dass das vorgestellte Instrument nicht das alleinige Patentrezept für erfolgreiche Teams darstellt. Durch die Visualisierung des Status quo werden daraus jedoch Erkenntnisse gewonnen, die schnell und nachvollziehbar eine motivierende und nachhaltige Team-Performance erreichen lässt“, so der Referent.

Moderne Arbeit

Wie viel Arbeitszeitflexibilität in der Arbeit 4.0 nötig ist und wo die Ansätze dafür zu suchen sind, erklärte Dr. Ralf Wimmer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Ernährungsindustrie Nordrhein Westfalen. Die Frage, mit welchen Attributen heutige Industrieunternehmen beschrieben werden könnten, werde so beantwortet: stark arbeitsteilige Arbeitsorganisation, v. a. in der Produktion, hochautomatisiert, eher bürokratische und regelbasierte Arbeitsorganisation, viele einzuhaltende Vorschriften, hierarchische Führungssysteme, überwiegend ortsgebundene Arbeit und oft stark reglementierte Nutzung von Internet und Social Media in Betrieben.

Arbeitszeitflexibilisierung/Wahlarbeitszeit und Demografie würden die Entwicklung der Arbeitszeit stärker beeinflussen. Eine gute Arbeitsatmosphäre, Planbarkeit und flexible Arbeitszeiten stünden laut einer Umfrage bei Managern von morgen im Fokus. Für diese Aspekte wären die Deutschen am ehesten bereit, ihren Job zu wechseln. Flexibler, gesünder und differenzierter seien die Wünsche der Beschäftigten bei der Arbeitszeitgestaltung. Die Moderne Arbeit stehe somit im Kontext von Flexibilität, Rechtssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Individualität. Flexibilisierungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz ließen sich durch die betriebliche Nutzung tariflicher Gestaltungsspielräume ausschöpfen. Beispiele dafür seien flexible Schichtarbeit, mobiles Arbeiten und Wahlarbeitszeit.

Digitalisierung und Ausbildung

Die Erwartungen und Anforderungen der Ausbildung im digitalen Wandel, sowie die Ergebnisse der aktuellen Maßnahmen zeigte Axel Kaufmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung auf. Aufgabe sei es, die betriebliche Ausbildungsgestaltung an die Anforderungen der Digitalisierung anzupassen. Die IT-gestützte Fehlerdiagnose, Netzwerkstrukturen, digitale Regelungstechnik und IT-orientierte Dokumentenanalyse würden beispielsweise viel stärker als bisher in technische und elektrische Berufsbilder integriert. Die Digitalisierung werde somit als Rahmenbedingung in das System einfließen, aber auch die Ausbildungsgestaltung im Einzelberuf stark beeinflussen.

"Arbeit 4.0 und die vielschichtigen Herausforderungen für die Lebensmittelbranche werden auch zukünftig im Fokus des REFA-Netzwerkes sein, um den nötigen Input für erfolgreiches betriebliches Handeln zu bekommen", so der Tagungsleiter Uwe Grebe abschließend.

– Uwe Grebe –

Das Bild zeigt von links nach rechts: Uwe Grebe, Vorsitzender REFA-Branchenorganisation Nahrung und Genuss; Daniel Grundke, Geschäftsführer Friesland Campina; Wolfgang Schmolke, Schmolke und Partner; Axel Kaufmann, Bundesinstitut für Berufsbildung; Dr. Ralf Wimmer, Geschäftsführer Arbeitgeberverband NRW; Prof. Dr. Jens Wetterau, Hochschule Niederrhein

 

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